MUTTERPASS

Was ist das?
Unter Mobbing wird die andauernde Bloßstellung und Ausgrenzung Einzelner verstanden. In der Schule oder am Arbeitsplatz, überall dort, wo Menschen miteinander leben, lernen und arbeiten, kann es zu Mobbing kommen. Mobbingopfer geraten unter extremen psychischen Druck, der bis zu ernsthaften Erkrankungen führen kann. Bei Kindern zeigen sich häufig psychosomatische Störungen aufgrund von Mobbing: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Lustlosigkeit. Sie wollen oft nicht mehr zur Schule gehen. Aggressionen unter Schülern werden im internationalen Sprachgebrauch auch als „Bullying" (engl. für tyrannisieren, schikanieren, quälen) bezeichnet. Das zunehmend an Schulen beobachtete Phänomen unterscheidet sich von spontanen, vergleichsweise harmlosen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen dadurch, dass es über einen längeren Zeitraum andauert, wobei sich die von einem Täter oder einer Tätergruppe ausgehenden systematischen und wiederholten Übergriffe typischerweise gegen körperlich oder psychisch Schwächere richten. Erscheinungsformen sind tätliches, verbales und indirektes Bullying (d. h. soziale Ausgrenzung des Opfers). In schwerwiegenden Fällen werden die Opfer eigens tätlich angegriffen, um reale Gewalt mit der Handykamera aufzunehmen und diese Bilder weiter zu versenden oder zu veröffentlichen (sog. Happy slapping, engl. für „lustiges Verprügeln"). Mit Cyber-Bullying werden die oben beschriebenen Verhaltensweisen bezeichnet, d. h. Beleidigung, Bedrohung, Erpressung aber auch die Schädigung des Ansehens des Opfers durch die (öffentliche) Verbreitung von bloßstellenden Gerüchten, vertraulichen und persönlichen Nachrichten, beschämenden Bildern oder Filmen über das Internet oder andere moderne Kommunikationsmittel (z. B. per SMS, MSN, ICQ, Mail oder Chat). Die schwerwiegenden Erscheinungsformen des Bullying können insbesondere die Straftatbestände der Beleidigung, der üblen Nachrede, der Verleumdung, der Nötigung, der Bedrohung, der Körperverletzungsdelikte, der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, der Gewaltdarstellung, der Nachstellung oder eines Verstoßes gegen das Recht am eigenen Bild erfüllen. Strafrechtlich verantwortlich ist nur, wer strafmündig, das heißt schuldfähig ist. Schuldfähig ist eine Person ab 14 Jahren. Kinder unter 14 Jahren können strafrechtlich nicht belangt werden. Es kommen Maßnahmen nach §§ 1631 Absatz 3, 1666 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) oder nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) in Frage. Unabhängig vom Alter der Täter kann Schule nach Bekanntwerden der Taten Erziehungs- bzw. Ordnungsmaßnahmen nach dem Schulgesetz M-V durchführen.
Gesetzliche Grundlagen
§§ 131, 185, 186, 187, 201, 201a, 202, 238, 240, 241, 253 Strafgesetzbuch (StGB) §§ 60 und 60a des Schulgesetzes M-V
Was kann ich tun?
Menschen, die in eine Mobbingopferrolle geraten, benötigen Hilfe. Gespräche und Unterstützungsangebote sind ein erster Schritt. Beratungsstellen bieten kompetente Hilfe an. Auch anwaltliche Beratung und Unterstützung ist hilfreich. In der Schule sollten die Lehrenden und die Schulsozialarbeitenden informiert werden. Bevor ein Strafantrag gestellt wird, sollten möglichst präventive schulische Disziplinarmaßnahmen oder zivilrechtliche Maßnahmen (Unterlassungsanspruch, Beseitigungsanspruch §§ 1004, 823 Absatz 1 BGB) vorangehen. Erwachsene als Mobbingopfer sollten mit vertrauten Personen über ihre Situation sprechen. Soweit es einen Betriebsrat gibt, sollte dieser informiert werden.
Beratung und Information
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Mobbingberatung) Tel.: 030 / 1855-1865
E-Mail: ads@bmfsfj.bund.de
http://www.regierung-mv.de/Justizministerium/Service/Publikationen/Hinweisblatt „Cyber-Bullying – Cyber-Mobbing”
http://www.mobbing-net.de
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