KINDESENTFÜHRUNG

Was ist das?
Die Kindesentführung stellt i. d. R. eine Kindesmitnahme durch einen fremden Täter dar. Ein Kindesentzug oder eine Kindesmitnahme fallen jedoch unter den Oberbegriff Entführung. Unterschieden wird hierbei meistens jedoch in der unterschiedlichen Strafzumessung. Kindesentführung, Kindesentzug oder Kindesmitnahme stellt juristisch ein strafrechtliches Vergehen dar; kommt eine Gefährdung des Opfers hinzu, wird es zu einem Verbrechen. Umgangssprachlich werden i. d. R. alle Begriffe meist im Zusammenhang mit einem internationalen Kindesentzug durch einen Elternteil, welcher aus familiären, privaten, oft auch aus religiösen Gründen das gemeinsame Kind ins Ausland verbringt, gesehen. Diese genannte Handlung stellt eine Sorgerechtsverletzung oder Verletzung des Umgangsrechts dar. Dies trifft zu, wenn ein Elternteil, der nicht im Besitz der alleinigen elterlichen Sorge oder des Aufenthaltsbestimmungsrechtes ist, das gemeinsame Kind gegen den Willen des anderen Elternteils aus dessen Einflussbereich bringt und/oder den Umgang mit dem Kind verhindert. Irrelevant bleibt hierbei die Dauer des Kindesentzugs, so dass einige Minuten hierfür schon ausreichend sein können. Vor einer Kindesentführung wird die Absicht in manchen Fällen durch einen Elternteil unterschwellig angedeutet oder gar ausdrücklich erklärt. Hinweise sollten ernst genommen und durch folgende Maßnahmen könnten internationale Entführungen erschwert werden:
  • Aufbewahrung der Pässe der Kinder an einem sicheren Ort,
  • bei den jeweiligen Konsulaten veranlassen, dass für die Kinder keine Pässe ausgestellt werden dürfen,
  • gegebenenfalls Beantragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts,
  • Prüfung, inwieweit über die Bundespolizei eine Ausreise über inländische Flug- und Seehäfen verhindert werden kann.
Eine Kindesentführung führt insbesondere bei den betroffenen Kindern aber auch bei den zurückgelassenen Elternteilen oft zu schweren psychischen Beschwerden. Mit einer elterlichen Kindesentführung wird die Menschenwürde des Kindes grob verletzt. Mütter und Väter haben die Pflicht, dem Kind Geborgenheit, Liebe, Verständnis und Zuneigung zu geben sowie die Interessen des Kindes zu schützen und sein Wohl zu bewahren. Diese Verantwortung endet nicht mit dem Ende der Partnerschaft bzw. der Ehe.
Gesetzliche Grundlagen
§ 235 Strafgesetzbuch (StGB) Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen - HKÜ)
Was kann ich tun?
Um Kinder präventiv vor einer Kindesentführung durch fremde Personen aber auch vor Gewaltverbrechen und sexuellem Missbrauch zu schützen, müssen Eltern, Pädagogen und andere Fachkräfte frühzeitig das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl von Kindern stärken und ihre Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit fördern. Erkundigen Sie sich beim örtlichen Jugendamt oder den freien Jugendhilfeträgern über Angebote von Präventionskursen für Kinder. Im Falle eines vermissten Kindes ist die Notrufnummer 110 der Polizei oder die europäische Notrufnummer 112 anzurufen.
Beratung und Information
http://www.konsularinfo.diplo.de
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http://www.bundespolizei.de
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http://www.vermisste-kinder.de – kostenfreie Telefon-Hotline für vermisste Kinder mit der Rufnummer 116 000